Canon 135 2.0l vs Canon 70-200 2.8 


Telebrennweiten im persönlichen Vergleich Canon 135 2.0l vs Canon 70-200 2.8

Als ich mich mit der Fotografie und insbesondere der Hochzeitsfotografie auseinandergesetzt habe, hörte ich von allen Seiten: "Und, wann kaufst du dir das 70-200 von Canon?". Immer, wenn ich als Gast auf Hochzeiten war, sah ich Fotografen, bewaffnet mit dieser weißen "K(C)anone". So war ganz sicher: Hier ist ein Profi am Werk! Das war auch mein Ziel: Sobald ich Geld für eine Hochzeit nehme, muss ich dieses Teil haben. Schließlich gehört dies dazu und das Brautpaar erwartet höchste Qualität. Die Vorteile lagen auf der Hand: Super schneller Autofokus, IS, variabel, wohl die besten Schärfe- und Kontrastergebnisse bei einem Zoomobjektiv überhaupt. Also investierte auch ich die 2000 Euro und war erst einmal begeistert. Vier bis fünf Hochzeiten habe ich damit gut meistern können, aber dann stellte ich fest, dass diese Linse nicht zu mir passt. Ich möchte euch kurz erklären warum:

 

1. Den Bildern fehlte der gewisse Kick. Das Objektiv ist sauscharf und der Fokus sitzt, aber das ist nicht alles. Eine Blende von 2.8 setzt für meinen Geschmack schon zu viel in den Fokus, außerdem arbeite ich eher selten mit Brennweiten von über 100 mm, weil ich mir schnell wie ein "Spanner" vorkomme.

 

2. Bei Hochzeiten bin ich lieber näher dran. Zuerst dachte ich, ich bräuchte die Linse insbesondere für Trauungen, weil ich dort ja nicht so nah ans Geschehen herankomme, aber das stimmt nicht so ganz. Wenn ich beispielsweise den Ringwechsel foto- grafiere, muss ich "nah dran" sein. Stellt euch mal vor, der Pastor bewegt sich oder irgendjemand läuft durchs Bild, und du bist irgendwo weit weg und kannst nichts machen. Also, in den entscheidenen Momenten muss ich eh mit 35 oder 50 mm nah am Brautpaar sein. Es gilt: Ich kann meistens eher zehn Schritte nach vorne machen als zehn Schritte nach hinten und bei 70-200 mm, musste ich eher zehn Schritte nach hinten laufen. Brauche ich denn überhaupt keine Telebrennweite? Doch, ich brauche sie, aber dazu später mehr.

 

3. Bei 12 Stunden Hochzeitsreportage zählt jedes Gramm. Das 70-200 ist mir zu schwer und auch zu auffällig. Klar, jeder Gast weiß dann: Hier ein Profi anwesend. Aber häufig macht man mit der Linse den Menschen eher Angst. Jeder schaut nur noch auf die Linse und ihr wisst ja: Die Einzige, die auf der Hochzeit weiß tragen darf, ist die Braut. Habt ihr schon einmal 12 Stunden eine Kamera in der Hand gehalten? Da weiß man aber, was man getan hat. Das 70-200 wiegt 1,6 Kilo - das ist viel. Dazu noch ein oder zwei Vollformatkameras und viele andere Linsen, das war mir zu viel.


Meine persönliche Alternative: Das Canon 135 2.0l

Wirklich auch mit einem weinenden Auge habe ich dann nach nur circa einem halben Jahr das Canon 70-200 2.8 ISII verkauft und schaute mich nach Alternativen um. Zuerst hatte ich das 135 2.0 nicht so sehr auf dem Schirm, weil ich mir dachte, dass mir im Telebereich 135 mm schon zu weit ist und ich so zu sehr eingeschränkt bin. Das würde auch stimmen, aber nicht, wenn man auch ein 85 mm Objektiv hat. Das 85 kommt, neben dem 35 mm, auf Hochzeiten am meisten zum Einsatz. Ab und an brauche ich aber mehr, z.B. wenn etwas sehr weit weg ist und vor allem bei Shootings, wenn ich das Paar etwas mehr frei- stellen will oder es sich unbeobachtet fühlen soll. Also testete ich das Canon 135 2.0l, weil es auf dem Papier absolute Topwerte hat. Und was soll ich sagen? Es ist nicht umsonst "King of the Red Rings". Farben und Kontraste: Unschlagbar bei 2.0! Freistellung und Bokeh: Wirklich ein Traum und nochmal etwas besser als das 70-200! Autofokus: Hier kommt mir das 70-200 noch minimal besser vor, aber das kann subjektiv sein. Das 135 ist jedenfalls schneller und treffsicherer als alle anderen Objektive, die ich habe. Es ist keine Brennweite, mit der ich mehr als 200 Bilder auf einer Hochzeit schieße. Sie kommt höchstens beim Shooting oder in kurzen Situationen zum Einsatz. Aber es ist eine Linse, auf die ich mich 100%ig verlassen kann, die mehr meinem Stil entspricht, längst nicht so teuer und so schwer ist, wie das 70-200, und Bilder produziert, die einen Unterschied machen. Nichts anderes will ich! Also viel Spaß, solltet ihr euch diese traumhafte Linse anschaffen! Wenn ja, nutzt gerne den Link, den hier hier findet! 

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Kommentare: 4
  • #1

    David Chebbi (Mittwoch, 15 Oktober 2014 12:16)

    Danke für deinen Artikel, hat mir sehr gut gefallen. Ich hole mein EF 135 auch ab und bin gespannt wie es so ist. Eine Schlussfolgerung von dir würde ich aber nicht unterschreiben; Du schreibst, dass eine große Linse bei Kunden bzw. Gästen suggeriert, das ein Profi anwesend sei. Ich finde diese Aussage leider etwas zu oberflächlich formuliert, denn man ist nicht ein Profi nur weil man sich ne 2000 Euro Linse leisten kann. ;-) Vielmehr ist derjenige Profi (und auch erfolgreicher), der mit günstigerer / kleinerer Ausrüstung auch gute Bilder machen kann.

    Liebe Grüße,

    David

  • #2

    endlichbilder (Mittwoch, 15 Oktober 2014 18:06)

    Hey David! Danke für deinen Text! Nix anderes wollte ich mit dem Wort "suggeriert" ausdrücken :) Man ist eben kein Profi nur weil man eine fette Linse hat, aber viele Gäste denken manchmal so oberflächlich, deswegen mag es den ein oder anderen Fotografen geben, der genau deshalb diese Linse hat :)

  • #3

    Marcel (Mittwoch, 10 Juni 2015 03:49)

    Aktuell stellt sich auch bei mir die Frage, ob sich eine 135er Festbrennweite mit Blende 2.0 für mich lohnt. Im Falle meiner Fuji Systemkamera entsprechend die neue 90er Linse. Hauptgrund für mich dürften die kompakteren Maße bzw. das Gewicht sein, denn an der X-T1 ist das Fuji-Gegenstück zum weißen Riesen viel zu klobig. - Trotzdem will ich es nicht missen, nur ergänzen. :D

    Was den Profi betrifft, wird man da mit einer solchen Systemkamera für noch weniger Ernst genommen, als nur einem kleinen Objektiv. Vorbei die Zeiten, in denen einem aus Respekt vor der 5D und dem quasi Kanonenrohr immer Platz gemacht wurde. :D

  • #4

    Martin (Montag, 04 Januar 2016 09:06)

    Hallo Matthias,
    ich bin über Google auf dich gestoßen. Ich bin selbst als Fotograf unterwegs und komme von der Schweizer Grenze. Ich habe interessiert diesen Beitrag zu den Objektiven und den Festbrennweiten gelesen. Jetzt sehe ich, dass du mit der Nikon D750 unterwegs bist. Hast du das komplette System gewechselt? Warum weg von Canon und warum keine d800/d810? Nutzt du an der D750 auch vorwiegend Festbrennweiten? Ich liebe ja Sigma (35mm,50mm Art). Nutzte selbst die d800 und bin mit der Schärfe nicht zufrieden da ich meist unter 1/250 liegen muss um Scharfe Bilder zu bekommen (Ohje jetzt ist es ja nen richtig langer Beitrag geworden) Würde mich über eine Antwort freuen. Vg Martin